Ein großes Stück Berliner Geschichte
Als vor 60 Jahren der westliche Sektor von Berlin durch die sowjetische Blockade vom Rest der Welt abgeschnitten wurde, erfolgte die Versorgung durch die Westalliierten durch die Luft: Bekannt als die Luftbrücke. Damit stellt der Flughafen nicht nur ein Stück Berliner Geschichte da, sondern ganz sicher ein Stück deutsche Geschichte, wenn er nicht mal sogar mit diesem Hintergrund ein Weltgeschichtliches Erbe darstellt.
Gebaut wurde der Flughafen auf dem damaligen Tempelhofer Feld, was vorher noch als Exerzierplatz diente. 1922 wurde der Platz eingeebnet und befestigt. Am 8.Oktober 1923 hat das Reichsverkehrsministerium eine Konzession für das Gelände erlassen und zwei Flugzeughallen wurden erbaut. Der erste planmäßige Flug erfolgte dann am Tag der Betriebsaufnahme, am 6.April 1926, durch die Lufthansa, noch als „Deutsche Luft Hansa A.G.“ nach Zürich. Weltweit einzigartig auch der Anschluss ans U-Bahn Netz 1927 durch den U-Bahnhof Paradestraße. Später durch den weiteren Ausbau verschob sich der U-Bahnzugang mit den neuen Gebäuden zum Bahnhof Kreuzberg, der darauf hin in Flughafen(heute: Platz der Lufbrücke) umgetauft wurde.
In den 1930er-Jahren stand der Flughafen Tempelhof mit seinem Verkehrsaufkommen noch deutlich vor Paris, Amsterdam und London. Neben Flugzeugen starteten und landeten hier auch Zeppeline. Noch heute nimmt die aktuelle Luftschiffgeneration Zeppelin NT den Flughafen als Ausgangspunkt von Fahrten. Seit 2007 ist die Zeppelin University, u.a. von der Zeppelin-Stiftung getragen, sogar im Flughafenfoyer vertreten.
1934 wurde durch den Architekten Ernst Sagebiel eine Erweiterung geplant, die es dem Flughafen ermöglichen sollte bis zu sechs Millionen Passagiere pro Jahr abzufertigen. 1934 waren es bereits an die 200.000 Passagiere. Das darauf hin entsandende Flughafengebäude war mit einer Gesamtgrundfläche von 284.000 Quadratmeter das flächenmäßig größte Gebäude auf der Welt. Es zählt noch heute zu den 20 größten Gebäuden der Welt. Die Gesamtlänge der bogenförmigen Teils des Gebäudes beträgt in etwa 1.2 Kilometer und stellt damit das noch immer längste Gebäude Europas dar.
Im Jahr 1954 wurden durch den Flughafen Tempelhof mehr als 650.000 Fluggäste befördert. Weitgehend wurde der Verkehr durch die alliierten Fluggesellschaften BEA, später British Airways, Air France und der amerikanischen Pan Am geregelt. Im Sommer 1975 wurde Tempelhof für den zivilen Luftverkehr geschlossen und durch den neu errichteten Flughafen Tegel ersetzt. 1985 wurde Tempelhof dann für den Geschäftsverkehr und für Carrier mit kleinerem Flugmaterial wieder für den Zivilverkehr geöffnet. Heute gibt es zwar immer noch den zivilen Luftverkehr, aber nur wenige und kurze Strecken werden bedient, unter anderem sogar von Air Berlin. Am 27. Mai 2006 war der Flughafen Austragungsort des Red Bull Air Race.
Trotz all dieser geschichtlichen Werte und der fast zentralen Lage in Berlin, ist die Schließung nun eine endgültig gefallene Entscheidung, die auch nicht durch den Volksentscheid, in der Zeit vom 15.Oktober 2007 bis zum 14. Februar 2008, gestoppt werden konnte. Zwar stimmten bei einer Wahlbeteiligung 60,1 % gegen die Schließung, auf den Gesamtzahl der Wahlberechtigten angerechnet ergab sich aber nur eine Zustimmung von 21.7 %. Die Anteilnahme der Berliner Bevölkerung war zu gering. Aber nichts desto trotz soll die Architektur des Flughafen erhalten bleiben und in der Neuplanung einen festen und gesicherten Platz erhalten. Die unbebaute Grünfläche soll als Parklandschaft erschlossen werden.